Hoffen im November  2008

Bei einer Autofahrt von der Werkstatt nach Hause hörte ich einen Bericht über den Tod des zweijährigen, misshandelten Kevin in Bremen. Er starb durch körperliche Gewalt seines Ziehvaters. Welche Wunden hatte seine Seele? Entsetzen. Ich verdrängte einen Augenblick nicht, versuchte mir vorzustellen. Bekam kaum Luft.

Ich nahm mir vor, dieses Gefühl zu bauen. Bei Beginn der Arbeit wurde mir klar, dass, wenn ich dieses Leid in Holz haue, ich selbst mich über die Kraft und Frieden des Baumes stelle. Ein Widerspruch in sich. Ich fand keinen Anfang.

Nach einigen frustrierten Tagen wuchs in mir die Überzeugung, dass ich der Not am besten begegne, in dem ich mich total von ihr abkehre, den anderen Pol suche. Liebe, Zuversicht, Schutz, Mutter, Kind, Harmonie wurden bei der Arbeit mit diesem Baum die bestimmenden Antriebsgedanken. Leid zu beschreiben, in dem man es nachbaut, halte ich für falsch. Ihm zu begegnen und klare Werte entgegenzusetzen war für mich der bessere Weg.
Stieleiche (Quercus robur)
Alter: 90 Jahre | Höhe: 244 cm
Ehemaliger Standort: Ravensberge bei Potsdam
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